Königin bestellt – wie nun sicher einweiseln?
Eine bestellte, begattete Königin sicher einzuweiseln, ist keine Frage eines einzelnen Tricks. Entscheidend sind vor allem die richtige Vorbereitung und die passende Einheit: Kunstschwarm, gut vorbereiteter Ableger oder – je nach Situation – ein bestehendes Volk mit Brut.
Vor dem Zusetzen zuerst die Ausgangslage klären
Was vorab ausgeschlossen werden muss
Viele Misserfolge entstehen nicht deshalb, weil die neue Königin ungeeignet wäre, sondern weil im Volk noch etwas anderes im Spiel ist: eine alte Königin, eine junge unbegattete Königin, Nachschaffungszellen oder sogar legende Arbeiterinnen. Darum gilt vor jeder Einweiselung: Die alte Königin muss sicher entfernt sein, vorhandene Weiselzellen werden gebrochen, und die Einheit sollte ausreichend Futter haben.
Für viele Fälle am sichersten: der Kunstschwarm
Wer möglichst wenig Risiko eingehen möchte, fährt mit einem Kunstschwarm oft am sichersten. Gerade im Hochsommer, wenn starke Völker mit voll legender Königin neue Königinnen häufig schlechter annehmen, wird dieser Weg in Schweizer Praxisunterlagen ausdrücklich empfohlen.
Dazu werden junge Bienen in eine Kunstschwarmkiste oder auf Mittelwände abgefegt. Die neue Königin kommt zunächst unter festen Verschluss dazu, der Kunstschwarm wird gefüttert und nach kurzer Kellerhaft am neuen Platz eingeschlagen. Erst danach wird die Königin über Futterteig freigegeben.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Bienen wachsen neu zu einer Einheit zusammen und müssen keine bestehende Volksordnung gegen eine fremde Königin verteidigen. Besonders bei wertvollen Königinnen, beim Neuaufbau eines Volkes oder beim Zusetzen im Juli und August ist das oft der verlässlichste Weg.
Sehr alltagstauglich: der vorbereitete Ableger oder das Kleinvolk
Für viele Imkerinnen und Imker ist ein kleiner Ableger oder ein Kleinvolk der praktischste Weg. Entscheidend ist dabei, dass die Einheit nicht erst im Moment des Zusetzen gebildet wird, sondern einige Tage vorher sauber vorbereitet ist.
In Schweizer Kurs- und Praxisunterlagen wird empfohlen, einen Ableger rund 7 bis 9 Tage vorher mit 3 bis 5 Brutwaben zu bilden, ihn ausserhalb des Flugradius aufzustellen und nach diesen Tagen alle Nachschaffungszellen zu brechen. Erst dann wird die neue Königin unter Zuckerteigverschluss zugesetzt.
Der Sinn dahinter: Beim eigentlichen Zusetzen soll die Einheit keine neue Königin mehr nachschaffen können. Genau deshalb ist es in der Praxis sicherer, wenn zu diesem Zeitpunkt keine nachschaffungsfähige junge offene Brut mehr vorhanden ist und alle Weiselzellen konsequent entfernt wurden.
Bestehendes Volk mit Brut: möglich, aber deutlich heikler
Die direkte Einweiselung in ein bestehendes Wirtschaftsvolk mit Brut ist möglich, aber sie ist deutlich weniger fehlertolerant. Ein starkes Volk in voller Legetätigkeit akzeptiert eine neue Königin meist schlechter als eine kleine, neu gebildete Einheit.
Soll die Königin trotzdem direkt in ein Brutvolk, braucht es eine besonders saubere Vorbereitung: alte Königin sicher entfernen, Weiselzellen brechen und Nachschaffung möglichst ausschliessen. Genau deshalb ist ein gut vorbereiteter Ableger in vielen Fällen der sicherere Weg.
Unterstülpkäfig, Aufsteckkäfig oder Zusetzgitter für heikle Fälle
Bei besonders wertvollen Königinnen oder in schwierigen Völkern ist ein Unterstülpkäfig, ein Aufsteckkäfig oder ein ähnliches Zusetzgitter oft eine kontrollierte Methode. Schweizer Praxisunterlagen nennen im Juli und August ausdrücklich grössere Langzeitzusetzer oder Aufsteckkäfige als sinnvolle Variante.
Das Grundprinzip: Die Königin sitzt geschützt direkt auf der Wabe und hat trotzdem unmittelbaren Kontakt zu den Bienen. Besonders geeignet ist eine Wabe mit schlüpfender Brut, also mit jungen Pflegebienen in unmittelbarer Nähe.
Die Jahreszeit macht einen grossen Unterschied
Sommer und Herbst verlangen andere Methoden
Nicht jede Jahreszeit ist gleich günstig. Schweizer Praxisunterlagen stufen das Umweiseln im Frühjahr als eher einfach ein, im Mai und Juni als möglich und im Juli und August als deutlich anspruchsvoller.
Für die Sommermonate gelten Kunstschwarm, Langzeitzusetzer oder Aufsteckkäfig deshalb oft als die robusteren Wege. Ab September werden die Voraussetzungen laut diesen Unterlagen wieder deutlich günstiger.
Was sich in der Praxis oft bewährt
- Erste Wahl: Kunstschwarm, wenn ein Volk neu aufgebaut oder im Sommer möglichst sicher umgeweiselt werden soll.
- Zweite Wahl: Ein gut vorbereiteter Ableger oder ein Kleinvolk, das einige Tage vorher gebildet und konsequent auf Weiselzellen kontrolliert wurde.
- Mit mehr Risiko: Die direkte Einweiselung in ein starkes Volk mit Brut – das ist eher etwas für sehr sauberes, erfahrenes Arbeiten.
Häufige Fehler
Typische Ursachen für Misserfolge
- Die Einheit wird zu früh wieder geöffnet und gestört, obwohl die neue Königin erst kurz zugesetzt wurde.
- Weiselzellen wurden übersehen oder nicht konsequent gebrochen.
- Eine alte Königin ist noch vorhanden.
- Es handelt sich um ein buckelbrütiges Volk mit Afterweiseln, das sich nicht einfach normal umweiseln lässt.
Fazit
Wer eine bestellte Königin sicher einweiseln möchte, sollte nicht möglichst schnell handeln, sondern die Methode wählen, die zur konkreten Situation passt. Für viele Fälle sind Kunstschwarm oder gut vorbereiteter Ableger die sichersten Wege. Soll die Königin in ein bestehendes Volk mit Brut, braucht es eine besonders saubere Vorbereitung.