Bienenkönigin kaufen – worauf sollte man achten?
Wer eine Bienenkönigin kaufen will, sollte nicht nur auf Preis, Bild oder Verfügbarkeit achten. Entscheidend sind vor allem die Reife der Königin, die Begattungsart, eine nachvollziehbare Herkunft, der richtige Zeitpunkt im Jahr und ein sauber geplanter Versand. Für den späteren Erfolg im Volk ist zudem wichtig, dass nicht nur die Königin gut ist, sondern auch das Empfangsvolk passend vorbereitet wird.
Alter und Reife der Königin
Grundsätzlich möchte man in der Regel junge Königinnen aus der aktuellen Saison kaufen. Ältere Königinnen sind meist nur dann interessant, wenn es sich um geprüfte Zuchtköniginnen handelt, bei denen Eigenschaften und Leistung bereits gezielt beurteilt wurden.
Bei jungen, begatteten Königinnen ist weniger das blosse Alter in Tagen entscheidend als die Frage, wie lange sie bereits in Eilage ist. Für die Praxis ist wichtig, dass eine Königin nicht schon mit den ersten Stiften abgegeben wird. Eine Königin, die bereits einige Zeit sauber legt, lässt sich deutlich besser beurteilen als eine ganz frische Königin am Anfang der Eiablage. Erst dann zeigt sich, ob sie regelmässig stiftet, ein ordentliches Brutbild anlegt und sich insgesamt normal entwickelt.
Auch für die spätere Annahme im Volk kann dieser Punkt eine Rolle spielen. Eine Königin, die bereits gut in Eilage ist, wird vom Volk oft eher als vollwertige Weisel wahrgenommen als eine sehr frische oder noch nicht stabil legende Königin. Das bedeutet aber nicht, dass die Annahme automatisch gelingt. Ob eine Königin angenommen wird, hängt immer auch stark vom Zustand des Volks, von der Weisellosigkeit und von der Art des Zusetzens ab.
Begattung
Wer eine Bienenkönigin kaufen oder Bienenkönigin bestellen will, sollte immer genau wissen, wie die Königin begattet wurde. In der Praxis sind vor allem standbegattete, belegstellenbegattete und instrumentell besamte Königinnen relevant.
Die Begattungsart sagt etwas darüber aus, wie gut die Anpaarung kontrolliert werden konnte. Bei kontrollierter Begattung ist die väterliche Seite besser nachvollziehbar. Das ist vor allem dann wichtig, wenn gezielt mit bestimmten Eigenschaften gearbeitet werden soll.
Für viele Imker ist aber nicht automatisch die aufwendigste Begattungsart die beste Wahl. Wer in erster Linie ein gutes Wirtschaftsvolk aufbauen oder umweiseln möchte, braucht vor allem eine vitale, sauber begattete und bereits gut legende Königin. Wer züchterisch gezielt weiterarbeiten will, muss Herkunft und Anpaarung genauer beurteilen.
Herkunft
Bei der Herkunft geht es nicht nur um die Bezeichnung einer Linie oder um die Region, sondern vor allem um Nachvollziehbarkeit. Ein seriöser Anbieter sollte sagen können, woher die Königin stammt, welches Zuchtziel verfolgt wurde und wie die Begattung erfolgt ist.
Für Käufer ist es ein gutes Zeichen, wenn ein Anbieter transparent arbeitet und klare Angaben macht. Dazu gehören je nach Angebot beispielsweise Informationen zur Mutter, zur Begattungsart, zum Zeitpunkt der Eiablage oder zur Art der Aufzucht. Je nachvollziehbarer diese Angaben sind, desto besser lässt sich die Qualität einschätzen.
Wichtig ist dabei auch: Eine gute Herkunft ist wertvoll, ersetzt aber nicht die richtige Betriebsweise. Selbst eine sehr gute Königin kann ihr Potenzial nur zeigen, wenn sie in ein passendes, gesundes und gut vorbereitetes Volk kommt.
Zeitpunkt im Jahr
Der richtige Kaufzeitpunkt ist oft wichtiger, als viele meinen. Sehr frühe Angebote im Frühjahr sind nicht grundsätzlich schlecht, aber frühe Königinnenzucht hat biologische Grenzen. Für sichere Begattung braucht es reife Drohnen und passende Wetterbedingungen. Beides ist im sehr frühen Jahr nicht immer in ausreichendem Mass vorhanden.
Noch wichtiger als das Kalenderdatum ist aber der Zustand des Empfangsvolks. Vor dem Zusetzen muss wirklich klar sein, dass das Volk weisellos ist, keine Weiselzellen mehr vorhanden sind und nicht bereits irgendwo eine junge Königin läuft. Gerade hier passieren in der Praxis viele Fehler.
Grundsätzlich kann eine Königin im Frühling, Sommer oder auch später in der Saison erfolgreich eingeweiselt werden. Schwieriger wird es aber häufig dann, wenn wenig Tracht vorhanden ist, das Volk unruhig ist oder bereits unter Stress steht. Wer eine Bienenkönigin bestellen will, sollte deshalb nicht nur auf den gewünschten Liefertermin schauen, sondern vor allem darauf, ob das Zielvolk im richtigen Zustand ist.
Versand
Beim Versand gilt: je kürzer und planbarer, desto besser. Eine Königin sollte nicht unnötig lange unterwegs sein. Deshalb ist ein Versand mit möglichst kurzer Laufzeit sinnvoll, etwa per priorisiertem Versand oder Express.
Wichtig ist nicht nur die Dauer, sondern auch die Planbarkeit. Verzögerungen, hohe Temperaturen oder Kälteeinbrüche belasten eine Königin unnötig. Wer eine Königin bestellt, sollte deshalb vor dem Kauf klären, wie verschickt wird, wie lange die Sendung voraussichtlich unterwegs ist und an welchem Tag die Zustellung erfolgt.
In der Praxis ist es sinnvoll, die Königin so zu bestellen, dass sie direkt entgegengenommen werden kann. Sie sollte nicht unnötig im Briefkasten, in der Ablage oder über ein Wochenende unterwegs sein. Je kürzer und kontrollierter der Transport, desto besser.
Typische Fehler beim Kauf
Viele Probleme entstehen nicht beim Kauf selbst, sondern durch falsche Erwartungen oder ungenügende Vorbereitung. Ein häufiger Fehler ist, nur auf den Preis zu schauen und nicht nach Reife, Herkunft und Begattungsart zu fragen.
Ebenso typisch ist, dass eine Königin bestellt wird, obwohl das Zielvolk noch gar nicht sauber vorbereitet ist. Nicht selten liegt das Problem später nicht an der gekauften Königin, sondern daran, dass noch eine alte Königin im Volk ist, Weiselzellen übersehen wurden oder das Volk gar nicht wirklich weisellos war.
Ein weiterer häufiger Fehler ist, beim Versand nur auf die günstigste Lösung zu achten. Bei einer Königin zählt nicht in erster Linie, ein paar Franken Porto zu sparen, sondern dass sie rasch, sicher und möglichst ohne Temperaturstress ankommt.
Auch falsche Erwartungen führen oft zu Enttäuschungen. Eine neue Königin ist keine Sofortlösung für alle Probleme im Volk. Schwäche, Unruhe, Krankheiten, Futterprobleme oder Fehler in der Betriebsweise lassen sich nicht einfach durch den Kauf einer neuen Königin beheben.
Fazit
Wer eine Bienenkönigin kaufen möchte, sollte vor allem auf fünf Punkte achten: Die Königin sollte bereits gefestigt in Eilage sein, die Begattungsart muss zum eigenen Ziel passen, die Herkunft soll nachvollziehbar sein, der Kaufzeitpunkt muss zum Volk und zur Jahreszeit passen, und der Versand sollte kurz und sauber organisiert sein.
Wer eine Bienenkönigin bestellen will, fährt deshalb besser mit klaren Fragen zur Qualität als mit einem blossen Preisvergleich. In der Praxis ist nicht die billigste oder am schnellsten verfügbare Königin automatisch die beste, sondern diejenige, die fachlich zum eigenen Vorhaben und zum eigenen Volk passt.